Antwort zum Artikel der Märkischen Oderzeitung vom 13.09.13

Heilmann (Berlins Justizsenator - Politiker und Jurist) will Makler zügeln


Berlin (MOZ) Mit einer Maklertaxe sollen in Berlin Immobilienkäufer entlastet werden. Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) bezeichnet die Branche als instransparent für den Verbraucher und will langfristig auch einen Sachkunde-Nachweis für Immobilien-Berater durchsetzen.


Die Höhe der Maklerprovision ist gesetzlich nicht geregelt. Das führt in Berlin und Brandenburg dazu, dass gerade Unkundige häufig eine Provision von 7,1 Prozent zahlen. "In kaum einem anderen Bundesland sind die Maklergebühren so hoch wie in Berlin", sagt Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann. Berlin liege bei den Maklergebühren zusammen mit Brandenburg bundesweit an der Spitze. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die bei Käufen fällige Provision dagegen nur drei Prozent.


Mit der Einführung einer Maklertaxe, deren Höhe über Gutachter noch ermittelt werden muss, hätte man einen Richtwert. Heilmann will die Makler per Gesetz verpflichten, Kunden auf die geltende Taxe hinzuweisen. "Künftig muss ein Makler begründen, warum seine Leistung teurer ist. Das sorgt für mehr Wettbewerb unter den Maklern und im Endeffekt für niedrigere Gebühren", glaubt der Politiker. Mit der Änderung wolle man vor allem unerfahrene Immobilien-Käufer stärken, die so besser auf Augenhöhe über die Provision verhandeln könnten. "Klar, können auch höhere Gebühren gezahlt werden, aber nicht, ohne dass der Verbraucher darüber nachgedacht hat."


Über den Änderungsvorschlag, den er noch in diesem Jahr im Abgeordnetenhaus vorlegen will, möchte Heilmann demnächst mit Maklerverbänden beraten. Schon vor einigen Tagen hat der Ring Deutscher Makler (RDM) sich mit einem Protestbrief gegen die Pläne gewandt und die rechtliche Machbarkeit in Frage gestellt. Hans-Joachim Beck, Chef der Abteilung Steuern beim Immobilienverband Deutschland, begrüßt dagegen Heilmanns Vorstoß. "Im Prinzip sind wir völlig einverstanden", so Beck. Nur beim Ländervergleich werde ein falscher Eindruck vermittelt. In Bayern sei die Maklerprovision nur so gering, weil Käufer und Verkäufer die Gebühren unter sich aufteilten. "Auch in Berlin und Brandenburg zahlen in weniger nachgefragten Lagen häufig allein die Eigentümer die Provision", so Beck.


Senator Heilmann würde langfristig sogar gerne das Berufsbild des Maklers verändern. "Die Branche ist für den Verbraucher nicht transparent", sagt der studierte Jurist. Viele Makler würden als verlängerte Arme der Immobilienfirmen agieren und für den Verkauf von Häusern bis zu 25 Prozent des Preises kassieren, was der Kunde nicht wüsste. "Dem werden dann trotzdem die 7,1 Prozent Maklerprovision abgeknöpft", berichtet Heilmann. Er wünscht sich, dass Makler künftig mehr als Berater agierten. Das bedeute aber auch, dass sie auch Geld bekommen, wenn sie von einem Fehlkauf abraten. "Es kommt für einen Kunden immer noch besser, dreimal 1000 Euro nur für die Beratung zu zahlen, die dreimal zum Nichtkauf führt, als 300 000 in einen Fehlkauf zu investieren", sagt der Senator. Die Beratungs-Gebühren sollen im Gegensatz zu der Maklertaxe nicht vom Staat diktiert, sondern vom Markt bestimmt werden.


Quelle: MOZ 13.09.2013


Nicht jeder Verbraucherschützer hat auch die notwendigen Kenntnisse


Eigentlich sollte man, methodisch gesehen, beim „Schlechten“ anfangen und zum „Guten“ kommen. Ich mache es mal anders herum.


Gut gefällt mir in diesem Beitrag des Politiker, Juristen und Verbraucherschutzsenator der Hauptstadt Berlin, dass er anstrebt, dass der Beruf des Immobilienmaklers ein Geschützter werden möge, den man nur ergreifen kann, wenn man dafür ein gerüttetes Maß an Sachkenntnis nachgewiesen hat. Ich bin sogar der Meinung, dass man, um sich „Immobilienmakler“ nennen zu können, eine ordentliche Prüfung vor der IHK zu bestehen hat, die die Spreu vom Weizen trennt.


Aber damit hört das Positive in diesem Beitrag auch schon auf. Der Beitrag ist Beweis dafür, dass der Herr Jurist, Politiker und Verbraucherschutzsenator, vom Handeln und vom Geschäft eines seriösen Immobilienmaklers, nur äußerst rudimentäre Kenntnisse besitzt, um es mal höflich auszudrücken.


Im Einzelnen.


Ein Vergleich zwischen einem Makler im Süden Deutschlands und einem Makler aus Berlin oder Brandenburg verbietet sich von selbst, wenn man sich nur das Preisgefüge der zum Verkauf stehenden Immobilien ansieht. Ein Grundstück mit Haus, welches in unserer Region z.B. 160.000,00 € kostet, kostet z.B. in Bayern durchaus 500.000,00 bis 850.000,00 € also das drei- bis fünffache, in vergleichbaren Lagen.


So könnte man also durchaus auf 3 % der Provision zzgl. MwSt. gerne verzichten, was ja der Makler in Brandenburg oder Berlin durchaus auch tut, bei der Höhe dieses Verkaufspreises ohne dabei eine Teilprovision vom Verkäufer zu bekommen.


Aber so ist es ja in Bayer oder Baden-Württemberg nicht, wie in dem Beitrag richtig herausgearbeitet wurde. Die Konsequenz ist, dass für die dann fehlenden 3% zzgl. MwSt. eine Innenprovision mit dem Verkäufer vereinbart wird. So kommt auch der Makler im Süden Deutschlands auf seine 6 % Provision zzgl. MwSt und der Kaufinteressent zahlt diese, die nun „versteckt“ sind. Und genau so würde es dann in Brandenburg und Berlin auch geschehen. Folge daraus wäre, dass nicht nur die fehlenden 3 % zzgl. MwSt. vom Erwerber zu tragen sind, sondern sich die Nebenkosten entsprechend erhöhen, denn jede Summe, die in einem Kaufvertrag erwähnt wird, wird der Grunderwerbssteuer (die der Fiskus erhält) zugeschlagen. Die Notarkosten erhöhen sich entsprechend der Kostenordnung (§ 32 KostO), die Hebegebühren bei Einrichtung eines Notaranderkontos als auch die Gerichtskosten (Grundbucheintragung) ebenfalls. Das hat der Jurist, Politiker und Verbraucherschutzsenator der Hauptstadt Berlin, übersehen oder, was ich nicht annehmen möchte, verschwiegen oder ganz einfach nicht gewusst. Ein völlig unausgegorener Gedanke, der eigentlich nur Mehrkosten für den Kaufinteressenten / Erwerber bedeutet. Erkennt das der Jurist, Politiker und Verbraucherschutzsenator nicht oder will er sich nur in aller Munde bringen und dem Fiskus zu noch mehr Steuereinnahmen verhelfen?


In den §§ 652 und 653 BGB ist genau geregelt, wann der Immobilienmakler eine Provision verdient hat. Wenn der seriöse Makler für jede Beratung die er durchführt, eine Rechnung stellen darf und bei Bedarf auch einklagen kann, wie z.B. ein Rechtsanwalt oder Steuerberater, wäre ich sehr froh. Jede Besichtigung die der Makler durchführt ist eine Beratung, jedes Gespräch in seinen Büros oder gar am Telefon. Davon macht der Makler durchaus zehn und wesentlich mehr in jeder Woche. „Hurra – ich werde Millionär“ kann ich da nur sagen. Dieser Gedanke widerspricht dem geltenden Recht – ich könnte mich damit anfreunden – können das die Beratenen auch?


Die Höhe der Maklerprovision von 7,14 % inkl. MwSt., sind für den einzelnen Käufer hoch. Das ist unbestritten. Der Kaufinteressent sieht nur die Besichtigung / Beratung die der Makler mit ihm durchführt, die Tätigkeit zur Erarbeitung des Kaufvertragsentwurfes und die Erläuterung des Vertragsentwurfes durch den Makler und die eigentliche Beurkundung.


Was der Kaufinteressent nicht sieht, ist die Masse der Besichtigungen (meist am Abend oder an den Wochenenden, die einem Arbeitnehmer extra vergütet werden würden) mit anderen Interessenten, die dann nicht kaufen. Er sieht nicht die Arbeit bei der Erstellung aussagekräftiger Exposés, der Kosten für Anzeigen in Printmedien aber auch in Internetbörsen die sich mit Immobilien beschäftigen, die Gehaltzahlung an Angestellte in der Maklerfirma, die Verbräuche an Material und Technik als auch Kosten die entstehen, um die notwendigen Dokumente für eine Finanzierung zur Verfügung stellen zu können. Die Arbeitzeit eines Maklers beträgt mehr als acht Stunden am Tage und an den Wochenenden.


Wenn ein Kaufinteressent über die Höhe der Maklerprovision handeln möchte, so kann er dies. Jeder seriöse Makler wird einen Weg finden, dem Interessenten entgegen zu kommen. Wenn beide Parteien ein gutes Geschäft gemacht haben, sind Beide auch glücklich.  „Leben und leben lassen“ sage ich dazu.


Wenn unser Jurist, Politiker und Verbraucherschutzsenator wirklich etwas Gutes tun will, dann sollte er sich für eine zwingende Ausbildung von Immobilienmaklern mit einem öffentlich anerkannten Abschluss einsetzen und den § 5 des RDL (Rechtsdienstleistungsgesetz) um eine vierte Berufsgruppe, die der Immobilienmakler, erweitern. Gegenwärtig darf ein Makler nämlich keine rechtliche Beratung was sein Fachgebiet betrifft, durchführen. Er tut dies trotzdem, in dem er aus seinem „reichhaltigen Erfahrungsschatz“ redet und dadurch indirekt berät.


 


Jörg Kuhnt